Zum Geleit.

Eine altgriechische Sage erzählt vom Rumpfe des gewaltigen Tatmenschen Herkules gegen den Riesen Antäus. Lange Zeit konnte Herkules diesen Gegner nicht überwinden, da Antäus jedesmal neue Kräfte bekam, wenn er seine Mutter, die Erde, berührte. Ein tiefer Sinn liegt in dieser Erzählung: Jeder Mensch saugt neue Kraft aus der Erde, aus der Natur, aus seiner Heimatscholle, wenn er nur die Urmutter recht um Segen zu bitten versteht. So wollen auch wir niedergezwungenen, verarmten, seelich verkümmerten Deutschen in dieser trostlosen Zeit uns an der Quelle erlaben, die niemand uns verschütten kann, an unsrer Heimat. Gerade unser erzgebirgisches Land ist so reich an Naturschönheit, an Geschichte, Sage, daß wir nicht zu darben brauchen, daß wir geistig uns immer wieder aufrichten können am Heimatgedanken. Unsrer Vorfahren Freud und Leid kann uns zur Lehre dienen, die Wunder der Natur und die Schönheiten der Kunst um uns her können uns die Augen hell, den Sinn frisch und klar machen, ja das richtige Verhältnis für die Bodenschätze, Naturkräfte und Wirtschaftsmöglichkeiten kann uns sogar wirtschaftlich wieder vorwärts bringen, kann Höchstleistungen erzielen helfen, die ohne solche Kenntnis der Heimat und ihrer Bewohner nicht möglich sind. In diesem Sinne wird hier der Versuch gemacht, durch eine Heimatbeilage, die in gewissen Abständen erscheinen soll und sich gut sammeln läßt, Natur, Geschichte, Volkstum, Kunst und Wirtschaft des Bezirkes Schwarzenberg zu erfassen und lebendig zu machen für uns und unsre Kinder. Zahlreiche Mitarbeiter in fast allen größeren Orten des Bezirkes sind schon dafür gewonnen, und wer bislang noch nicht aufgefordert ist und der Heimat dienen will, betrachte dieses erste Blatt als eine Einladung. Dem Verlag des „Erzgebirgischen Volksfreundes“ aber sei gedankt, daß er trotz der schweren Zeit das Erscheinen dieser Beilage ermöglicht.

 

Dr. Siegfried Sieber.

Quelle: Heimatblätter Nr. 1 - Sonntag, den 14. Oktober 1923, S. 1